Für meinen Sohn habe ich eine Lern-App gebaut, in der er Klassenarbeiten, Hausaufgaben und Unterlagen selbst plant und einen Lernbegleiter an der Seite hat, der erklärt, statt vorzusagen. Henry ist ein Kürbiskopf aus Pixeln und läuft auf einem eigenen Server und als Android-App. Geplant und gestartet an einem Tag, seitdem wächst er weiter. Und was Henry ausmacht, hat mein Sohn mitentschieden.
Ich zeige dir dieses Projekt, weil hier zwei Dinge zusammenkommen, die mir wichtig sind: mit Agentic Coding eine Idee in kurzer Zeit zu einem echten Produkt machen und KI so einsetzen, dass sie einem jungen Menschen Raum lässt, selbst zu denken. Und weil die App am Ende nicht mir gehört, sondern ihm.

In der Mittelstufe kommt einiges zusammen: Klassenarbeiten mit Vorlauf, Hausaufgaben für den nächsten Tag, ein Stundenplan und dazu Arbeitsblätter, Hefteinträge und Buchseiten, die man vor der nächsten Arbeit wiederfinden muss.
Der echte Moment war der Elternabend, und dass viele Arbeiten anstehen und man dann von der einen auf die andere Arbeit lernt. Da man doch täglich mal mehr oder weniger am Handy sitzt und ich meinen Butler Alfred sehr schätze, der mir Struktur in den Alltag bringt - wollte ich meinem Sohn das auch ermöglichen. In einer App.
Für mich war klar, wohin die App nicht soll: kein Kinder-Look und keine Kontrolle durch die Hintertür. Er plant selbst, die App unterstützt ihn dabei. Und wenn er beim Lernen hängt, soll da jemand sein, der den Weg erklärt, statt die Lösung hinzuschreiben.


Henry wurde nach dem allerersten selbstgeschnitzten Halloween-Kürbis benannt. Danach kamen Henry 2 und Henry 3, dann war Schluss. In der App ist er zurück: als Kürbiskopf in Pixel-Art mit Zickzack-Krone, Bogenaugen und einem eckigen Zahn, so wie damals. Die Pixel-Vorlage habe ich auf Basis des echten Kürbis mit ChatGPT erstellt.
Henry 3 nahm ein fürchterliches Ende ... Der Regen ... Er sah sehr mitgenommen aus und hat es leider nicht bis zu Halloween überlebt. Jetzt haben wir einen Henry - der bleibt, solange wir wollen.
Mein Sohn hat bei den Dingen mitentschieden, die zählen: beim Namen, beim Aussehen und bei Henrys Charakter. Dunkel mit grünen Akzenten, schlicht, Henry nur als Kopf, keine Blätter. Henry soll ruhig und sachlich sein und klar erklären, ohne Getue. Ab und zu ein Spruch oder ein Kürbis-Witz, höchstens ein Emoji, die Beispiele am liebsten aus Musik, Technik, Autos und Gaming.
Dieser Charakter steht in einer einfachen Textdatei, die er selbst ändern darf. Das ist Absicht, denn vielleicht entwickelt er irgendwann mit. Deshalb ist der Code bewusst einfach und verbreitet: Python auf dem Server, HTML, CSS und JavaScript in der Oberfläche, kurze Kommentare, eine verständliche Anleitung und Git und GitHub ab dem ersten Tag. Für Farben, Texte und Sprüche gibt es eigene Dateien, in denen man sofort rumprobieren darf. Und in der App gibt es eine Wunschliste. Was dort landet, geht in die nächste Stufe ein.
Konzept und Planung habe ich am 08.10.2026 festgelegt und Henry noch am selben Tag mit Claude Code agentisch an den Start gebracht. Wie bei allen meinen Apps stand am Anfang ein Konzept, das ich abgestimmt und freigegeben habe. Erst dann wurde gebaut, und live ging nur, was ich freigegeben habe.
Meine Rolle ist dabei die, die mir liegt: Ich kläre die Anforderungen, treffe die Entscheidungen, prüfe jeden Zwischenstand und gebe die Richtung vor. Gebaut haben wir in drei Stufen:
Zwischendurch gab es drei Design-Runden für Henry selbst. Die erste nach einer Designvorlage mit Blättern, die zweite schlichter, nur als Kopf, und am Ende als Pixel-Art.
Nach jeder Stufe testet mein Sohn und sagt, was bleibt. Erst dann geht es weiter.

Die Startseite zeigt die nächste Stunde aus dem Stundenplan, die nächste Klassenarbeit mit Countdown und die nächste offene Aufgabe.
Erinnerungen aufs Handy zu frei wählbaren Zeitpunkten, als Standard 7, 3 und 1 Tag vorher. Das Handy stellt sie selbst, sie kommen auch ohne Internet.
Jede Aufgabe lässt sich abhaken. Solange sie offen ist, kommt am Vorabend eine Erinnerung.
Am Mac per Ziehen ins Browserfenster, bis zu 40 Dateien auf einmal. Am Handy direkt mit der Kamera, ganze Ordner per Import.
PDFs liest Henry selbst, Fotos und Scans per KI, auch Handschrift. Danach findet die Volltextsuche alles wieder.
Ideen und Wünsche landen direkt in der App und gehen in die nächste Ausbaustufe ein.
Henry sagt offen, dass er eine KI ist, und bleibt bei Schule und Lernen. Er erklärt den Weg Schritt für Schritt, gibt Hinweise und stellt Rückfragen, statt die fertige Lösung hinzuschreiben. Er prüft eigene Lösungen und fragt auf Wunsch ab.
Dabei schaut er zuerst in die eigenen Unterlagen, damit die Erklärung zu dem passt, was im Unterricht dran war. Erst danach sucht er auf einer festen Liste vertrauenswürdiger Lernseiten: serlo.org, leifiphysik.de, planet-schule.de und de.wikipedia.org. Die Quelle nennt er in Klammern, zum Beispiel (Mathebuch S. 84). Er erfindet keine Quellen und sagt ehrlich, wenn er nichts Verlässliches findet. Eine Lehrkraft ersetzt er nicht.
Bevor ich den Chat gebaut habe, habe ich Anthropics Vorgaben für Produkte mit minderjährigen Nutzern recherchiert. Ob sie für ein privates Familienprojekt gelten, ist nicht eindeutig geregelt. Henry setzt sie trotzdem um:
Ich darf Termine und Material eintragen, das ist dann mit „von Mama“ markiert. Wie er lernt und was er Henry fragt, sehe ich nicht. Die Chats sieht nur er. Sie bleiben 30 Tage gespeichert und werden dann gelöscht. Das steht für ihn sichtbar in der App.
Ich vertraue meinem Sohn. Nachrichten mitzulesen kann schwierig sein, weil sie aus dem Kontext gerissen sind. Da sind Missverständnisse vorprogrammiert. Kinder brauchen Schutz und Privatsphäre, und die möchte ich meinem Kind geben, weil Vertrauen in eine zwischenmenschliche Beziehung gehört.
Ehrlicherweise komme ich als Betreiberin technisch an alles heran. Genau deshalb haben wir die Abmachung offen festgehalten.
Beim Datenschutz gilt: kein Tracking, keine Werbung, keine Analyse-Tools. Henry läuft auf einem eigenen Server, die Fotos liegen in keiner fremden Cloud. Für die KI-Funktionen gehen Fotos und Fragen zur Verarbeitung an die Claude-API. Laut Anthropic werden sie nicht zum Training genutzt und nach 30 Tagen gelöscht. Die Fotos werden vorher verkleinert, und jeden Tag läuft eine Sicherung.
Ob Anthropics Vorgaben für junge Nutzer auch für ein privates Projekt gelten, ist nicht eindeutig geregelt. Ich habe sie trotzdem umgesetzt, mit einem Regelsatz, den auch die Charakter-Datei nicht aushebeln kann.
Das Ziel war Code, den ein Jugendlicher lesen kann: verbreitete Sprachen, kurze Kommentare, eine verständliche Anleitung und eigene Dateien, in denen man sofort rumprobieren darf.
Drei Design-Runden, bis der Kürbis stimmte. Erst mit Blättern, dann nur als Kopf, am Ende als Pixel-Art nach dem echten Kürbis.
Ein Hefteintrag ist kein PDF. Fotos und Scans liest die KI, auch Handschrift, damit am Ende alles in derselben Volltextsuche landet. Die Fotos werden dafür vorher verkleinert.
Mein Sohn und ich haben Henry in drei Stufen an den Start gebracht. Ich glaube, er findet es toll, dass ich ihm Apps mache. Ob und wie Henry beim Lernen hilft, kann ich heute noch nicht sagen, das zeigt erst der Schulalltag. Die 1,95 $ sind eine Rechnung aus dem Konzept. Angenommen sind 15 Fotos, 10 Abfrage-Runden und 20 Chat-Nachrichten pro Woche, längere Chats und Denk-Token sind nicht eingerechnet.
Die Chat-Ansicht schauen wir uns gerade noch genauer an.
Zwei Stufen stehen schon fest:
Was danach kommt, bestimmt auch die Wunschliste in der App mit.
In Henry steckt viel davon, wie ich arbeite:
Ich möchte verstehen, wie meine Website genutzt wird, um sie zu verbessern. Dafür setze ich Statistik-Dienste (Google Analytics, Microsoft Clarity) ein, aber nur, wenn Sie zustimmen. Ihre Auswahl können Sie jederzeit ändern.