Kurz gesagt: Mit dem KI-Agenten Claude Code habe ich zwei Apps aus unserem Familienalltag gebaut: den Kopfschmerzkalender, ein Tagebuch, dessen Daten komplett auf dem Handy bleiben, und Henry, einen Lernbegleiter für meinen Sohn. Meine wichtigste Erfahrung: Der Agent schreibt den Code, die Entscheidungen über Zweck, Design und Datenschutz bleiben bei mir. Am besten wurde es immer dann, wenn ich eine echte Vorlage mitgebracht habe.
Beide Apps haben mit einer echten Situation angefangen, nicht mit Technik. Beim Kopfschmerzkalender war es ein Papierbogen aus der Kinderarztpraxis: Er sollte jeden Tag ausgefüllt werden, und genau das klappt mit Papier selten. Bei Henry war es ein Elternabend mit vielen Klassenarbeiten auf einmal.
Wie die Apps im Einzelnen funktionieren, zeigen die Fallstudien zum Kopfschmerzkalender und zu Henry. Hier geht es um das, was ich beim Bauen gelernt habe.
Zwei sehr unterschiedliche Apps mit demselben Werkzeug: Eine, die bewusst ohne Internet auskommt, und Eine mit eigenem Server und KI-Chat.
| Kopfschmerzkalender | Henry | |
|---|---|---|
| Anlass | Papierbogen der Kinderarztpraxis | Elternabend, viele Klassenarbeiten |
| Was die App kann | Schnelle Einträge, ruhiger Akutmodus, Bericht im Format des Papierbogens, inzwischen auch ein Blutdruck-Tagebuch | Termine, Hausaufgaben, Stundenplan, Unterlagen per Foto, ein Chat, der erklärt statt vorsagt |
| Wo die Daten liegen | nur auf dem Gerät, kein Server, kein Konto | auf einem eigenen Server, Chats werden nach 30 Tagen gelöscht |
| Form | Web-App und Android-App | Web-App und Android-App |
| Stand | im Einsatz | live seit 08.10.2026, wächst weiter |
Claude Code übernimmt das Programmieren, das Testen und die technische Einrichtung, bis hin zur Android-App, die ich von null aufgesetzt habe. Was der Agent nicht übernimmt: die Frage, wofür eine App da ist, wem die Daten gehören und wie sie sich anfühlen soll.
Beim Kopfschmerzkalender habe ich entschieden, dass alle Einträge nur auf dem Gerät bleiben. Es gibt keinen Server und kein Konto, und die Android-App hat nicht einmal eine Internet-Berechtigung. Bei Henry habe ich entschieden, dass die App meinem Sohn gehört: Ich trage Termine und Unterlagen ein, sehe aber nicht, wie er lernt. Seine Chats werden nach 30 Tagen gelöscht. Solche Entscheidungen trifft kein Agent für mich, und das ist gut so.
Die Planung ist das wichtigste dabei und den rahmen den man setzt. Sicherheit ist in der heutigen Zeit auch immer ein wichtiger Aspekt, der berücksichtigt werden muß. Entscheidungen und den Plan erstelle ich.
Weil ein Agent baut, was er versteht, und ein Foto oder Skizze mehr erklärt als drei Absätze Text. Das habe ich bei beiden Apps gelernt.
Der erste Bericht für die Arztpraxis im Kopfschmerzkalender war eine große, unübersichtliche Tabelle. Erst mit einem Foto des echten Papierbogens wurde klar, wie er aufgebaut ist: ein Blatt mit zwei Tabellen und einer eigenen Legende. Seitdem sieht der Ausdruck so aus, wie die Praxis ihn kennt.
Bei Henry ging der erste Designentwurf in eine ganz falsche Richtung. Mit meiner eigenen Designvorlage und einer Pixel-Vorlage, die ich auf Basis des echten Kürbis mit ChatGPT erstellt habe, stimmte die Richtung. Henry ist nämlich nach unserem allerersten selbstgeschnitzten Halloween-Kürbis benannt und auch das Design kommt direkt von dem Original-„Henry“.
Nicht daran, dass der Agent es sagt, sondern daran, dass ich es sehe, am Besten auf dem echten Gerät und ich ein paar Testläufe mache.
In der Android-App des Kopfschmerzkalenders liefen Speichern und Drucken anfangs ins Leere: Der Knopf reagierte, es kam keine Fehlermeldung, aber es passierte nichts. Erst eine eigene Verbindung zwischen App und Android hat das gelöst. Ein anderer Fehler ließ eine Tabelle im Bericht zu leeren grauen Kästen zusammenfallen. Aufgefallen ist er nur, weil wir die Ansicht als Bild geprüft haben, nicht im Code.
Und der wichtigste Test ist der Alltag: Mein Sohn nutzt Henry und findet ihn sehr gut.
Weil es seine App ist. Den Namen hat er bestätigt und wie Henry mit ihm spricht, hat er mitentschieden. Den Code halten wir bewusst einfach, damit er später vielleicht selbst daran weiterbauen kann. Wobei ich ihn schon coden gesehen habe und denke, dass er wunderbar damit klarkommt. Alles ist so angelegt, dass er jederzeit mit einsteigen kann und selbst im Code schreiben darf.
So wird aus einem Familienprojekt echte Teamarbeit: Er bringt mit, was ihm wichtig ist, ich bringe die Planung mit, und der Agent setzt um.
Ich plane mehr, bevor gebaut wird. Der Kopfschmerzkalender ist Schritt für Schritt aus Rückmeldungen gewachsen. Henry habe ich von Anfang an in drei Stufen geplant: erst Termine, Hausaufgaben und Stundenplan, dann Unterlagen, zuletzt der Chat. Er wurde an einem Tag geplant und gestartet, seitdem wächst er weiter.
Für App-Projekte gilt bei mir deshalb eine feste Regel: erst abstimmen, dann bauen. Ein misslungener Textentwurf kostet Minuten, eine falsch gebaute Funktion kann Stunden kosten.
Agentic Coding hat mir gezeigt, dass ich Apps bauen kann, die genau zu unserem Alltag passen. Die Technik übernimmt der Agent. Was eine App gut macht, entscheiden die Menschen, die sie planen und nutzen. Und der Grafik-Designer in mir, will immer noch die Gestaltung übernehmen.
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